Dienstag, 16. Juni 2015

Soziale Nähe macht großzügig

Soziale Nähe macht großzügig


Zwei Gehirnregionen arbeiten als Gegenspieler bei der Bewertung der sozialen Distanz

Je näher uns ein Mensch steht, desto großzügiger sind wir. Warum das so ist und wie unser Gehirn diese Unterscheidung trifft, haben Forscher nun aufgeklärt. Demnach sind zwei widerstreitende Hirnregionen für die Bewertung der sogenannten sozialen Distanz zuständig: Je nachdem, welcher Bereich sich durchsetzt, sind wir großzügig oder egoistisch, erklären die Forscher im Journal "Proceedings oft he National Academy of Sciences".

Großzügigkeit ist mehr als nur selbstloses Verhalten: Die Fähigkeit, Dinge auch mit anderen zu teilen, ist eine wichtige Voraussetzung für eine funktionierende Gesellschaft. Selbstloses Verhalten gilt als wichtiges Merkmal sozialer Lebewesen wie Menschen und Menschenaffen. Aber auch in der Ökonomie kommt es darauf an, die Interessen anderer Marktteilnehmer bei Entscheidungen mit einzubeziehen. Wir verhalten uns aber nicht allen Menschen gegenüber gleich großzügig: Einer nahestehenden Person gegenüber sind wir meist freigiebiger als einem Unbekannten. Entscheidend ist ein Phänomen namens "soziale Distanz".

Großzügig oder egoistisch?


Wissenschaftler um Tina Strombach von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) haben sich angeschaut, wie die Entscheidung zur Großzügigkeit im Gehirn abläuft und welche Rolle die soziale Distanz dabei spielt. Dazu beobachtete sie die Hirnaktivität von Testpersonen mit einem funktionellen Magnetresonanztomographen (fMRT).

Während der Untersuchung spielten die Probanden eine ökonomische Aufgabe durch: Sie konnten einen Geldbetrag entweder mit einem gedachten Spielpartner teilen, oder komplett für sich behalten – sie hatten also die Wahl, großzügig oder egoistisch zu sein. Dabei sollten sie sich einmal einen ihnen nahe stehenden Menschen als Spielpartner vorstellen, einmal einen nur entfernt bekannten. 

"Dabei zeigte sich, dass die Teilnehmer viel eher bereit sind, ihren Egoismus zu überwinden und zu teilen, je näher sie dem Spielpartner emotional stehen", so Erstautorin Strombach.

Zwei Hirnregionen im Widerstreit

Die begleitenden Hirnscans ergaben aber noch mehr: Zwei verschiedene Bereiche im Gehirn stehen offenbar im Widerstreit zueinander:

Der ventromediale präfrontale Cortex im Stirnlappen der Großhirnrinde gehört zum Belohnungssystem. Er stellt die egoistische Seite dar. 




Ihm gegenüber wirkt der temporoparietaler Übergang im hinteren Bereich des Gehirns. Er steht mit der Empathiefähigkeit in Verbindung und ist auch wichtig für die Unterscheidung zwischen "selbst" und "fremd".



"Beide Gehirnregionen arbeiten als Gegenspieler", erläutert Studienleiter Tobias Kalenscher von der HHU: „Sie tarieren aus, wie egoistisch oder großzügig wir uns abhängig von der sozialen Distanz verhalten." 
Bernd Weber von der Universität Bonn ergänzt: 

"Der temporoparietale Übergang hält die egoistischen Bestrebungen des ventromedialen präfrontalen Cortex in Schach und ermöglicht somit altruistisches Verhalten." 

Dieses Ergebnis ist sowohl für die Wirtschaftswissenschaften als auch für die Soziologie interessant: In beiden Disziplinen müssen die im menschlichen Gehirn angelegten Verhaltensmuster zur sozialen Distanz in unterschiedlichen sozialen Zusammenhängen berücksichtigt werden. (PNAS, 2015; doi: 10.1073/pnas.1414715112)
(Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, 20.01.2015 - AKR)

Sonntag, 22. März 2015

Die Veränderlichkeit unserer Erinnerungen - therapeutischer Nutzen


Die Unschärfe unseres Gedächtnisses




Eine Erinnerung wird bei jedem Abrufen für kurze Zeit instabil. Dadurch kann das Gedächtnis aktualisiert werden, ist gleichzeitig aber auch manipulierbar. Dies hat für Gerichtsverfahren und die Psychotherapie Konsequenzen.


Ein Kind, das sich die Finger an einer heissen Herdplatte verbrennt, wird sich zeit seines Lebens an dieses Ereignis erinnern, so hoffen die Eltern. Aber was geschieht mit der Erinnerung, wenn das Kind beim nächsten Küchenbesuch beobachtet, dass seine Eltern die Herdplatte zwar berühren, sich aber nicht daran verbrennen, da diese nicht eingeschaltet ist?
Eine bis zur Jahrtausendwende vorherrschende Theorie auf dem Gebiet der Gedächtnisforschung besagte, dass sich ein einmal geformtes Gedächtnis über die Zeit nicht mehr verändert, vorausgesetzt, seine Wichtigkeit ist gross. 
Weil es für das Kind existenziell wichtig ist zu lernen, sich nicht zu verbrennen, würde es sich gemäss dieser Theorie also immer daran erinnern, dass Herdplatten heiss sind.
Im Jahr 2000 jedoch publizierte eine Forschergruppe um den Neurobiologen Joseph LeDoux von der New York University eine seither vielzitierte Studie, die diese Theorie infrage stellt. 
Dafür benutzten die Forscher Ratten und eine Substanz, welche die für die Gedächtnisbildung wichtige Proteinsynthese blockiert. Erhielten die Ratten diese Substanz, unmittelbar nachdem sie sich an ein schmerzhaftes Erlebnis erinnert hatten – man setzte die Tiere in eine Kiste, in der sie einige Tage zuvor einen Stromschlag erfahren hatten –, verschwand die Angst vor der Kiste. 
Die Tiere entwickelten also kein nachhaltiges Angstgedächtnis bezüglich der Kiste. Wurde die gleiche Substanz jedoch ohne Wiedersehen der Kiste verabreicht, reagierten die Tiere weiterhin äusserst ängstlich auf diese.
Aus diesen Beobachtungen schlossen die Forscher, dass sich ein einmal geformtes Gedächtnis durch dessen Hervorrufen, also durch den Vorgang des Sicherinnerns, verändern lässt. 
Da dieser Prozess auf ähnlichen neuronalen Vorgängen beruht wie die ursprüngliche Gedächtnisbildung, die in der Fachsprache Konsolidierung genannt wird, wurde er als Rekonsolidierung bezeichnet. Demnach erlaubt es die Rekonsolidierung, das ursprüngliche Gedächtnis mit aktuellen Informationen auf den neuesten Stand zu setzen. So lernt das Kind etwa, dass eine Platte nur heiss ist, wenn sie angeschaltet ist.
In den Jahren nach dem Erscheinen dieser Studie entbrannte auf dem Gebiet der Gedächtnisforschung ein intensiv geführter Streit zwischen Rekonsolidierungsbefürwortern und -gegnern. Denn einerseits war es mit LeDoux' Versuchsanordnung nicht möglich, ausschliesslich diejenigen Nervenzellen zu manipulieren, die für die Gedächtnisbildung verantwortlich waren – es könnte sich bei dieser Beobachtung also um einen unspezifischen Effekt handeln. Andererseits könnte eine Aktualisierung des Gedächtnisses auch mit einer zweiten, neuen Gedächtnisspur erklärt werden: Diese würde durch die neuen Gegebenheiten hervorgerufen und existierte parallel zur ursprünglichen Gedächtnisspur.

Erinnerung künstlich abrufen


Einen ersten stichhaltigen Beweis für die Rekonsolidierungstheorie lieferte 2012 eine Arbeit des Hirnforschers Mark Mayford vom Scripps Institute in Kalifornien. Dazu entwickelten die Forscher genetisch modifizierte Mäuse, in denen bestimmte Nervenzellen, die bei der Bildung einer Erinnerung involviert sind, mit einer passenden Substanz zu einem beliebigen Zeitpunkt aktiviert werden können. Auf diese Weise konnten die Forscher eine bestimmte Gedächtnisspur künstlich reaktivieren.
Die Forscher trainierten die Mäuse dahingehend, eine Angsterinnerung an eine Kiste A zu entwickeln. Dabei wurde eine bestimmte Gruppe von Neuronen aktiviert und mit einem Rezeptor markiert. Wurden die «A-Neuronen» danach künstlich reaktiviert, zeigten die Tiere tatsächlich eine typische Angstreaktion, selbst wenn die Kiste A nicht gegenwärtig war. Das System erlaubte es also, künstlich eine Erinnerung hervorzurufen.
In einem weiteren Experiment zeigte man den Tieren dann eine ihnen unbekannte Kiste B, vor welcher sie keine Angst hatten. Aktivierte man nun aber gleichzeitig die «A-Neuronen» in der B-Kiste und testete danach die Angstreaktion der Tiere auf die ursprünglich angsteinflössende A-Kiste, reagierten sie weniger ängstlich als zuvor. Wurden die «A-Neuronen» in der B-Kiste hingegen nicht reaktiviert, veränderte sich die Angstreaktion der Tiere nicht. 
Die Reaktivierung der ursprünglichen Gedächtnisspur in der als sicher eingestuften B-Kiste ermöglichte es demnach, die ängstliche Erinnerung abzuwandeln. Diese Experimente demonstrieren, dass eine abgerufene Erinnerung von aussen manipuliert werden kann.
Die gewonnene Erkenntnis hat weitreichende Konsequenzen: Wenn sich eine Erinnerung bei jedem Hervorrufen verändern lassen kann, wie zuverlässig sind dann noch Zeugenaussagen vor Gericht? 
Metaanalysen haben ergeben, dass falsche Zeugenaussagen mehr als 75 Prozent aller anhand von später erfolgten DNA Tests revidierten Verurteilungen zugrunde liegen. 
Könnte es also sein, dass sich die Erinnerungen von Zeugen durch das wiederholte Abrufen bei der Befragung beeinflussen lassen? In Anbetracht der Labilität der Erinnerung scheint ein gewisses Risiko zu bestehen.


Therapeutischer Nutzen


Bei der Behandlung von traumatischen Erinnerungen ist die Labilität dagegen ein Vorteil. Die erfolgreichste Behandlungsmethode ist die verhaltenstherapeutische Konfrontationstherapie. 
Dabei werden Patienten in einer sicheren Umgebung wiederholt mit dem Angst-Auslöser konfrontiert. Seit langem war bekannt, dass ein erfolgreiches Sich-in-Erinnerung-Rufen dieses Auslösers ausschlaggebend für den Erfolg oder Nichterfolg einer Konfrontationstherapie ist – eine empirische Erkenntnis, die durch die neuesten Resultate der Gedächtnisforschung unterstützt wird.
Der Grundsatz der Veränderlichkeit einer Erinnerung bedeutet letztlich aber auch, dass sich eine Erinnerung nie ganz in ihrer ursprünglichen Form fassen lässt, weil sie beim Versuch dabei zwangsweise durch die jeweiligen Umstände zum Zeitpunkt des Sicherinnerns beeinflusst wird. 


Somit könnte es sein, dass die grösste Errungenschaft unseres Gedächtnisses, nämlich die Fähigkeit zur sukzessiven Integration neuer Informationen, gleichsam auf seiner grössten Schwäche fusst: einer dem Gedächtnis inhärenten Unschärfe.

Samstag, 18. Januar 2014

Alles, was Sie denken, führt zu Reaktionen auf der körperlichen und materiellen Ebene.

Verwirklichen Sie Ihre Ziele mit Mentaltraining




Wäre es nicht schön, wenn Sie es in der Hand hätten, Ihr Leben positiver zu gestalten und sich seelisch und körperlich einfach wohler zu fühlen? Das geht tatsächlich - mit der Kraft Ihrer eigenen Gedanken! Dieses große Potential können Sie zur Aktivierung Ihrer Selbstheilungskräfte und zur Änderung negativer Gedankenmuster nutzen.
Mentales (mental = lat.: den Geist betreffend) Training ist eine Methode, mit der Sie Ihr Denken und Handeln positiv beeinflussen und dadurch Ihr Schicksal aktiv in die Hand nehmen können. Ursprünglich wurde das Training in den 1970er Jahren für Astronauten entwickelt, damit sie ihre großen körperlichen und seelischen Herausforderungen besser meistern konnten. Bald machte sich auch der Spitzensport die Methode zur Leistungsverbesserung zunutze, und noch heute wird z. B. unsere Fußball-Nationalmannschaft mental trainiert. Inzwischen wird Mentaltraining auch im medizinischen Bereich u. a. zur Unterstützung des Heilungsverlaufs sowie in der Rehabilitation zur Nachsorge von Schlaganfällen eingesetzt. Das können Sie durch das mentale Training erreichen:
- Vorbeugung und Abbau von Stress
- Stärkung des Selbstvertrauens
- Aktivierung Ihrer Selbstheilungskräfte
- Optimierung Ihrer Lebensgestaltung
Wenn Sie mit Mentaltraining beginnen wollen, sollten Sie zunächst einmal Ihre Ziele festlegen. Denn das wichtigste Grundprinzip des mentalen Trainings lautet: Stellen Sie sich Ihr Ziel als bereits erreicht vor. Dabei kann dieses Ziel die verschiedensten Bereiche betreffen: z. B. die Gesundheit, Berufliches - die Hauptsache ist, dass Sie es genau definieren können. Es geht also nicht um den Ist-Zustand (z. B. krank) sondern vielmehr um den Soll-Zustand (z. B. gesund). Damit Sie ihn erreichen, arbeiten Mentaltrainer mit verschiedenen Techniken. Einer der Schwerpunkte liegt dabei auf der Kontrolle der Gedanken.

Alles, was Sie denken, führt zu Reaktionen auf der körperlichen und materiellen Ebene. Das liegt daran, dass unser Gehirn nicht unterscheiden kann, ob wir uns etwas nur vorstellen, oder ob wir es tatsächlich erleben. Wenn Sie also ständig denken, dass es Ihnen nicht gut geht oder dass Sie Schmerzen haben, wird der Zustand auch so bleiben. Unterbrechen Sie daher diese negativen Gedanken sofort und formulieren Sie Ihr positives Ziel. 

So programmieren Sie Ihr Gehirn auf ein Ziel

Gehen Sie jeden Tag mindestens einmal in die Entspannung. Atmen Sie dazu mit geschlossenen Augen gleichmäßig ein und aus, und zählen Sie dabei von zehn bis eins rückwärts. Beginnen Sie nun mit der Vorstellung Ihres Ziels. So programmieren Sie Ihr Gehirn auf das Erreichen Ihres Ziels:
- Stellen Sie sich Ihren Soll-Zustand in lebhaften Bildern vor (z. B. Schmerzfreiheit, volle Beweglichkeit).
- Spüren Sie, wie sich dieser Zustand anfühlt.
- Unterstützen Sie die Zielvorstellung mit positiven Glaubenssätzen 
Nun wird Ihr Körper alle Kräfte mobilisieren, um dieses Ziel Wirklichkeit werden zu lassen. 

Sonntag, 12. Januar 2014

Intelligenz und Kraft unserer Gefühle

Das Ende des Zeitalters der Rationalität



Zitat aus "Was wir sind und was wir sein könnten - Ein neurobiologischer Mutbacher" von Gerald Hüther.
So geht das Zeitalter der Rationalität mit einer bemerkenswerten Erkenntnis zu Ende:
Denken können wir, was wir wollen. Sogar Handeln können wir - zumindest eine Zeitlang - nach unserem eigenen Gutdünken.
Aber um glücklich, mutig und zuversichtlich leben zu können, müssen wir in der Lage sein, etwas zu empfinden.


Wir müssen also die Intelligenz und Kraft unserer Gefühle wieder erkennen, schätzen und nutzen lernen.


Wir müssen versuchen, die verloren gegangene Einheit von Denken, Fühlen und Handeln, von Rationalität und Emotionalität, von Geist, Seele und Körper wiederfinden. Sonst laufen wir Gefahr, uns selbst zu verlieren.
Wir werden also Abschied nehmen müssen von der noch aus dem Maschinenzeitalter stammenden Idee, der Mensch sei zerleg- und reparierbar wie ein Auto.
Wir werden auch Abschied nehmen müssen von der jahrhundertealten Vorstellung, dass unser Denken von unserem Fühlen folgenlos getrennt und als separate Entität betrachtet werden kann.
Wir müssen uns auch von der Vorstellung verabschieden, dass all das, was im Gehirn eines einzelnen Menschen vorgeht, losgelöst von all dem betrachtet, analysiert und verstanden werden könnte, was in den Gehirnen all jener anderen Menschen passiert, bei denen er aufwächst, mit denen er in Beziehung tritt, die er braucht und die ihn brauchen.

Nur so können wir gemeinsam über uns herauswachsen.

Wir sollten daher sorgfältiger darauf achten, was wir uns gegenseitig alles einreden. Und wir müssen besser aufpassen, dass wir einander nicht wie Objekte benutzen.

Schlussbemerkung Christoph Santschi:

Interessanter Weise ist diese Erkenntnisse in anderen Kulturen tief verankert, wie zum Beispiel in der Hawaiianischen Sprache, in welcher die Weisheiten der Huna-Lehre implizit eingebettet sind.
Die Quellen aus anderen Kulturen können wir für die Evolution unseres eigenen Weltbildes zuziehen. Das ist höchst spannend und führt zu einer Bereicherung des eigenen Lebens.